Welches Produktentwicklungskonzept sollte ich kennen und anwenden?

Es gibt unzählige unterschiedliche Produktentwicklungskonzepte. Einige der gängigsten Konzepte möchte ich nachfolgend auflisten und kurz mit ihren Kernelementen charakterisieren:

  • Beim Quality Gate Prozess wird der Entwicklungsprozess in Sektoren aufgeteilt, die jeweils mit einem Quality Gate Im Rahmen dieser auch sogenannten Meilensteinen wird der bereits zu Projektbeginn definierte Entwicklungsfortschritt abgefragt.
  • Bei Simultaneous Engineering werden die Arbeitspaket von den beteiligten Fachbereichen gleichzeitig und parallel abarbeiten, was eine ausgereifte Projektkommunikation
  • Advanced Product Quality Planning (APQP) greift die Ansätze von Simultaneous Engineering auf und ergänzt sie um spezifische Arbeitspakete und Vorgaben der Automobilindustrie. Dieses Konzept ist somit nur in dieser Branche in Anwendung.
  • Beim V-Modell wird das Gesamtsystem in überschaubare und handhabbare Subsysteme Auf der linken Seite des Vs werden dabei die Anforderungen auf die einzelnen Ebenen der Subsysteme heruntergebrochen. Auf der rechten Seite des Vs gegenüber werden zu den einzelnen Ebenen die erforderlichen Verifizierungen und Validierungen definiert.
  • Iterative Produktentwicklungen zeichnen sich dadurch aus, dass in Anlehnung an den PDCA-Zyklus Entwicklungsschritte geplant und umgesetzt werden. Auf der einen Seite lässt dieses Modell sehr viele Freiheiten zu, auf der anderen Seite besteht die Gefahr das Kosten und Termine davonlaufen, wenn nicht das Endergebnis im Fokus
  • Bei den aktuell sehr modernen agilen Produktentwicklungskonzepte (z.B. SCRUM) entwickeln eigenverantwortliche Teams ein Produkt (meist Software) sukzessive in sogenannten kurzen Sprints von 2-4 Wochen. Dabei ist die Einbindung des Kunden, indirekt durch z.B. eines Produkt-Owner, sehr wesentlich.
  • Hinter Lean Development steht nach Morgan und Liker das sogenannte soziotechnisches System« (STS). Dabei hängen erfolgreiche Entwicklungsprozesse vom ausgeglichenen Zusammenwirken von drei primären Untersystemen ab: Nämlich fließende und abgestimmte Prozesse, qualifizierte Mitarbeiter sowie die Auswahl zweckmäßiger Werkzeuge und Technologien.
  • Das GD³-Konzept konzentriert sich demgegenüber auf den richtigen und zielgerichteten Einsatz leistungsfähiger Werkzeuge und Tools zur Produkt- und Prozessoptimierung. Diese sind den Phasen Good Design (Erfahrung und Kundenorientierung), Good Discussion (systematische präventive Lösungsfindung) und Good Dissection (versuchstechnische Absicherung) zugeordnet.

 

Welches Modell ist nun das geeignetste für meine Organisation und welche sollte ich kennen? Konklusiv sollte man alle diese Produktentwicklungskonzepte ansatzweise kennen. Sie ergänzen sich teilweise recht gut und werden so zu einem neuen Ganzen. Welches ich als leitendes Modell in meinem Managementsystem beschreibe hängt vom Tätigkeitsschwerpunkt und den eigenen Vorlieben ab. Wesentlich ist aber, dass ich alle kenne und bei Bedarf richtig einsetzen kann. Nur so entsteht eine erfolgreiche projektorientierte Organisation. Nachfolgende Abbildung zeigt das Ergebnis einer Umfrage, welche Konzepte am häufigsten zur Anwendung kommen.

Was ist das GD³ Konzept?

Das GD³-Konzept beschreibt eine Vorgehensweise, um mögliche Probleme entweder überhaupt zu vermeiden bzw. zumindest zu finden. Dabei steht GD³ für Good Design, Good Discussion und Good Dissection. Es ist ein Modell für die Umsetzung der Mizen Boushi-Philosophie. Unter Mizen Boushi versteht man grundsätzlich die Philosophie, Qualitätsprobleme und Komplikationen zu unterbinden, bevor sie überhaupt entstehen und dadurch Kosten sowie Terminverschiebungen verursachen.

  • Dabei werden unter Good Design Änderungen auf ein notwendiges Maß beschränkt und der Wert des Produktes auf den Kunden ausgerichtet.
  • Mit Good Discussion werden die notwendigen Änderungen anschließend ausführlich im Team besprochen und mit Hilfe von präventiven Methoden analysieren.
  • Abschließend wird mit Good Dissection das Produkt entsprechend versuchstechnisch abgesichert.